Sieben Gründe, dankbar zu sein

Einleitung

Weihnachtsmann: „Hallo Pekka. Es ist nun wieder Anfang November. Zeit, eine neue Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Hast du schon angefangen? Ich glaube, es wird die zehnte sein.“

Pekka: „Ehrlich gesagt habe ich Probleme, mir etwas Neues einfallen zu lassen. Aber das passiert jedes Jahr. Mein Ziel ist es, so viele Geschichten zu schreiben, wie es Türen am Adventskalender gibt.“

Weihnachtsmann: „Ah, ich verstehe. Mal sehen... Es gab am meisten Feedback, und dazu sehr positives, für deine persönlichsten Geschichten. Hättest du vielleicht eine neue Perspektive zu solch einer Geschichte?

Du hast in deinen Geschichten Philosophie, Religion, die Bedeutung, ein Mensch zu sein, persönliche Verantwortung und viele andere Aspekte der Menschlichkeit im Allgemeinen erforscht. In all diesen Geschichten basiert deine Inspiration darauf, dass sich der Weihnachtsmann immer verbessern möchte, genau so wie jeder einzelne Mensch. Vielleicht solltest du einmal in den Spiegel sehen.“

Pekka: „Was meinst du damit?“

Weihnachtsmann: „Du könntest doch Dinge aufzählen, die dich glücklich oder dankbar machen.“

Pekka: „Sieben Gründe, dankbar zu sein?! Das ist es! So werde ich die diesjährige Geschichte nennen!“

Weihnachtsmann:
„Schön, dass ich helfen konnte. Bedenke aber, dass Dankbarkeit alleine so wirken kann, als ob du angibst und dein Leben das reinste Zuckerschlecken ist. Gründe, dankbar zu sein, entstehen aus den Kontrasten im Leben.“

Sieben Gründe, dankbar zu sein

1. Ich bin meinen verstorbenen Eltern dankbar. Ihnen ist es gelungen, mir beizubringen, dass man nicht alles haben muss, das man haben möchte, jedenfalls nicht sofort. Sie haben mir den Raum gegeben, unabhängig zu werden, forderten aber Ehrlichkeit, harte Arbeit und Eigenständigkeit. Natürlich kann ich viele Beispiele nennen, in denen ich mit meinen Eltern aneinander gerate bin, besonders mit meiner Mutter. Unser Charakter war sehr ähnlich, aufbrausend, aber auch schnell bereit, zu vergeben. Mein Vater war so ein Idealist, dass er aus wirtschaftlichen oder irgendwelchen anderen Gründen dafür gesorgt hat, dass wir die letzte Familie in Finnland waren, die Farbfernsehen bekam. Ich erinnere mich auch, dass ich der einzige war, der vor Ort hergestellte James-Jeans und Hosenträger hatte, wenn alle anderen in meiner Schule Levi‘s-Jeans und einen Gürtel trugen. Aber im Großen und Ganzen sind dies nur Kleinigkeiten, die ich ganz leicht in Gründe umwandeln kann, dankbar zu sein. Im Sommer bin ich oft mit meinem Vater und Bruder um 5 Uhr früh zur Hütte des Onkels meiner Mutter zum Angeln gegangen. Wir haben jedes Mal Barsch gefangen und die Sonne hat immer geschienen. Mein Vater, ein Ingenieur, hat im Winter gern Skilanglauf gemacht. Er hat auf Millimeterpapier eine Zielkurve verzeichnet und auf einer weiteren Kurve die eigentlich gelaufenen Kilometer eingetragen. Meine Mutter war Ärztin. Sie hat später im Leben gern Kreuzworträtsel gelöst und unglaublich gern Snooker im Fernsehen geschaut. Ich wurde ermutigt, Sport zu treiben, hatte die Gelegenheit, ein Jahr als Austauschschüler zu verbringen und erhielt finanzielle Unterstützung während meiner Zeit an der Uni. Dafür und für die schönen Erinnerungen bin ich ihnen dankbar. Ihre Asche wurde ins Meer vor der Küste von Helsinki gestreut. Dorthin bringen wir immer die Kerzen für beide zur Weihnachtszeit.

2. Ich bin für meine Frau dankbar und ich bin ihr dankbar. Wir sind schon über vier Jahrzehnte zusammen. Unsere Geschichte, die mich jetzt schon jahrzehntelang dankbar macht, begann, als ich im Herbst nach meinem Jahr als Austauschschüler in ihre Klasse kam. In der Pause saßen sie und zwei Freundinnen auf einer Bank auf dem Schulhof. Da ich niemanden kannte, habe ich mich zu ihnen gesellt. Sie trug Pumps, die sich leicht von ihrem Fuß lösten. Ich hob einen auf, als er von ihren Zehen herunterfiel. Als ich ihr den Schuh wieder anzog, sagte eine der Freundinnen, dass dies genau wie bei Aschenputtel aussah.


Meine Frau ist der Grund hinter der Idee dieser Geschichte: Man muss sich das Positive ansehen und das Gute in der Welt wie auch in seinem Leben erkennen. Dabei ist sie nicht naiv. Ich gebe zu, dass ich mich viel zu oft über die Nachrichten aus der Welt beschwere oder mich missmutig über das nutzlose Zanken bezüglich belangloser Dinge äußere, die in unserem Land stattfinden. Es macht uns beiden nichts aus, unsere Zeit in unserer Sommerhütte mit Arbeit zu verbringen. Und zu Hause gibt es auch immer etwas Angenehmes im Garten zu tun. In unserer gemeinsamen Geschichte ist wohl der Hauptgrund, meiner Frau dankbar zu sein, dass wir drei wundervolle Töchter haben. Sie wohnen jetzt nicht mehr bei uns, aber nun müssen wir uns um unsere zwei „Schweinchen“ kümmern, unsere Golden Retriever Mauno und Nana.

3. Ich bin für meine Kinder dankbar und ich bin ihnen dankbar. Kinder zu haben, war nicht einfach und keine Selbstverständlichkeit. Vor der ersten erfolgreichen Schwangerschaft sah es aus, als ob wir Hilfe von medizinischer Wissenschaft bräuchten. Das war eine sehr stressige Zeit. Dann erschienen auf dem Test ganz überraschend und zu unserer Freude zwei blaue Striche. Als meine Kinder aufwuchsen und ihre eigenen, verschiedenen Persönlichkeiten zum Vorschein kamen, konnte ich sie begleiten und ihnen sogar bei ihrer Entwicklung helfen. Ich habe miterlebt, wie sie Entscheidungen trafen, die ich selber nicht gewagt hätte oder nicht hätte machen können. Eine besondere Erinnerung an die Mädchen ist ihr „Auf die Plätze, fertig los“-Spiel mit unserer Berner Sennenhündin Sohvi bei Aufenthalten in unserer Hütte. Dabei rannten alle vier so schnell wie möglich in den See und plantschen im flachen Wasser herum. Dieses Spiel hat so einen tiefen Eindruck bei Sohvi hinterlassen, dass wir einfach nur diese Worte sagen mussten, um sie zu etwas Bewegung zu motivieren, als sie älter wurde und nicht immer Lust hatte, Gassi zu gehen. Unsere Töchter begleiteten uns bei unseren Reisen durch Europa, als sie noch klein waren. Als Erwachsene reisen sie selbstbewusst in andere Länder und Kontinente. Ich bin so dankbar, dass sie ihre eignen Bildungs- und Berufslaufbahnen gewählt, Partner gefunden und gelernt haben, sich selber zu vertrauen. Ich bin auch dankbar, dass sie so gut miteinander auskommen und die Beziehungen in unserer Familie so stark sind.


Ich freue mich ganz besonders, dass ich Opa geworden bin. Und nicht nur einmal. Opa für einen kleinen Jungen und seine jüngere Schwester zu sein, ist eine große Freude. Mein Vater wurde für die Art und Weise gelobt, wie er für unsere Töchter die Rolle des Opas meisterte. Jetzt bin ich an der Reihe, diese Rolle zu übernehmen. Vogelbücher durchstöbern, Legotürme bauen und umwerfen, bei Puzzlen helfen, mit Spielzeugautos und Puppen spielen, füttern, zur Schlafenszeit baden, Windeln wechseln, Quatsch miterleben, manchmal ihren kleinen Manipulationen unterliegen, bei der Ankunft und beim Verlassen sowie zwischendurch umarmt werden... Alle diese Dinge sind einfach wunderschön und dürfen nicht als selbstverständlich betrachtet werden. So viel davon ist neu und kommt mir trotzdem bekannt vor. Und darf ich es wagen, zu meiner Liste der Gründe, dankbar zu sein, hinzuzufügen, dass man die Kleinen nach willkommenen und immer schönen Besuchen und Übernachtungen wieder an die Eltern abgeben kann?

4. Ich bin für die Freunde in meinem Leben dankbar. Ich werde sie jetzt nicht alle aufzählen, aber ich bin für jeden einzelnen dankbar, von der ersten großen Liebe auf dem Schulhof zu den heutigen Golfkumpanen. Ich möchte mich ganz besonders bei einer Gruppen von Freunden bedanken, die ich an der Uni kennengelernt habe. In mehr als 30 Jahren haben wir uns über 60 Mal getroffen. Bei diesen Treffen haben wir alles Mögliche gemacht wie Drachenfliegen, Fechten, Yoga, Wandern in den norwegischen Bergen, Angeln, Erforschen des MTV-Betriebsgeländes, Wetten auf Hunderennen, Zigarrenrauchen auf einem Dampfer in St. Petersburg, Genießen einer unvergesslichen Reise nach Capri und noch viel mehr. Viele dieser Freunde haben ihren Ehepartner an der Uni kennengelernt. Daher konnte ich durch sie viele wichtige und langjährige Freundschaften und Familienbeziehungen aufbauen.

5. Ich bin Finnland dankbar und den Menschen, die die Angelegenheiten unseres Landes handhaben und entscheiden, und denjenigen, die hier leben und mithelfen, unser Land aufzubauen. Es ist schon etwas Besonderes, einen ruhigen Ort, an dem alles normalerweise funktioniert, inmitten der globalen Turbulenzen zu haben. Ich bin der Meinung, dass Finnland ein positives Beispiel der Fähigkeit einer nordischen Gesellschaft ist, die Marktwirtschaft mit gesellschaftlicher Unterstützung ihrer Bevölkerung zu vereinen. Es wird jetzt deutlich, dass wir einerseits das nationale Budget einschränken und andererseits als Nation und als Individuen geschäftiger, effektiver und innovativer werden müssen. Dieses Land und seine Leute sind nicht perfekt, aber in meinen Augen sind sie die Besten.

6. Ich bin für meine Berufslaufbahn dankbar. Ich bin der Auffassung, dass ich Arbeitgebern und anderen Interessenvertretern bei vielen verschiedenen Aufgaben von Nutzen sein konnte. Ich bin besonders für Gelegenheiten dankbar, die mir mein Arbeitsleben geboten hat, wie beispielsweise Möglichkeiten zum Lernen und zur Weiterentwicklung, mit tollen Kollegen zu arbeiten und mir meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Jetzt, da ich vorzeitig in den Teilruhestand gegangen bin und Beratungsdienste anbiete, hoffe ich, dass die Erfahrung, die ich sowohl zu Zeiten schnellen Wachstums als auch bei Aufruhr in verschiedenen Unternehmen gesammelt habe, noch lange gefragt bleibt. Ich lerne immer etwas Neues bei diesen Aufträgen.

7. Ich leide an einer schweren Krankheit. Glücklicherweise wurde sie entdeckt, bevor es zu spät war. Ich bin dem privaten und öffentlichen Personal dankbar, das sich um mich gekümmert hat, sowie den Fachkräften, und für die sachkundige Betreuung, die ich erhalten habe. So kann ich mein Projekt der Weihnachtsgeschichten abschließen und bis zum Jahr 2038 eine Sammlung von 24 Geschichten schreiben. Das mache ich mit Freude und ohne Beschwerden. Ich tue nur so, als ob es schwer ist.


8-1000 Ich hätte noch ganz viele
andere Gründe finden können, dankbar zu sein. Aber ich bleibe bei dem zuerst
gewählten Titel.

Abschließende Diskussion

Pekka: „Nun, was hältst du davon? Hast du die Geschichte gelesen?“

Weihnachtsmann: „Naja, was meinst du selber?“

Pekka: „Natürlich habe ich beim Schreiben bemerkt, dass die meisten meiner Gründe, dankbar zu sein, mit Beziehungen zu tun haben. Diese Beziehungen stehen mir nahe und sind Teil meines tagtäglichen Lebens. Gründe, dankbar zu sein, beruhen oft auf kleinen Dingen und kleinen Augenblicken. Aber ihre Rolle beim Streben nach dem Glück ist wesentlich. Wir stehen alle herausfordernden Situation und Schicksalen im Laufe unseres Lebens gegenüber. Diese sind nicht gleich verteilt. Die Art und Weise, wie du dein eigenes Leben erfährst und beurteilst, hängt größtenteils damit zusammen, wie du die Dinge betrachtest.“

Weihnachtsmann: „Ja, genau. Welche Emotion treibt den einzelnen mehr an, Dankbarkeit oder Unzufriedenheit? Ob dein Weg mit Glück oder Unglück bestückt ist – du kannst immer Freude erfahren, indem du anderen mit ihren Herausforderungen hilfst, die oft viel schwerwiegender sind als deine eignen. Meinst du, das kann etwas gegen ständig ansteigende Depressionen und geistige Gesundheitsprobleme bewirken? Es wäre viel einfacher, Dinge zu relativieren, wenn wir daran denken könnten, so richtig im Augenblick zu leben anstatt Selfies und Updates auf sozialen Medien in den Mittelpunkt zu stellen. Das Leben findet nur einmal statt.

Weihnachten ist die perfekte Gelegenheit, innezuhalten und darüber nachzudenken, wofür wir dankbar sind. Und unsere Dankbarkeit mit Handlungen und ausgedrückten Gefühlen unter Beweis zu stellen – also sie quasi an andere weiterzuleiten.“


Wir wünschen euch allen dankbare Weihnachten 2024!


Der Weihnachtsmann und Pekka